Digitalisierung gleich Arbeitsplatzverlust – eine Gleichung mit zwei Unbekannten

Die alte Medienweisheit „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ findet sich derzeit wieder bestätigt, wenn man die Nachrichten verfolgt. Nach einer neuen Umfrage des Berufsverbands Bitkom fallen in den nächsten 5 Jahren 3,4 Millionen Stellen durch die Digitalisierung weg. Dies geht auf eine neue Umfrage des Verbandes bei 500 deutschen Unternehmen zurück. Schlimmer noch, jede vierte Firma sieht sich durch die Digitalisierung in ihrer Existenz bedroht, wie die FAZ unter Berufung auf diese Umfrage schreibt.

Mitarbeiter in der digitalen Welt Weckrufe wie diese sind nicht neu. Befürchtungen vieler Ökonomen bestätigen Meldungen wie diese, mit noch ganz anderen Zahlen. Während die Bitkom-Studie jeden 10. Arbeitsplatz in Deutschland gefährdet sieht, sehen andere Prognosen jeden 2. Arbeitsplatz durch die Digitalisierung als obsolet. Vor zwei Jahren waren diese Zahlen bereits in einem Artikel der Zeitung „Die Welt“ zu lesen. Von einem „Digitalen Tsunami“ war in der Folge zu hören. Allerdings wurden diese Befürchtungen auf Seiten der deutschen Bundesbürger nicht geteilt. Im Jahr 2017 sank die Angst vor Arbeitsplatzverlust auf den niedrigsten Wert in diesem Jahrtausend. Der Umfrage zufolge fürchteten sich im Herbst 2017 nur noch 27 Prozent der Bundesbürger davor, dass sie selbst ihren Job verlieren könnten oder keinen Job finden.
Damit bestätigt sich auch wieder das geflügelte Wort: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Auch ich glaube daran, dass ganze Berufsgruppen durch die Digitalisierung ihre Bedeutung verlieren. Die Vergangenheit hat dies schon bewiesen angefangen vom Hufschmied, über die Drucker hin zu den Fotografen. Die Schmelze an Arbeitsplätzen in diesen Berufen war gewaltig und bietet heute nur noch ein paar Spezialisten ein einträgliches Auskommen. Auch die Bitkom-Studie liefert hierzu interessante Zahlen. Waren es laut Bitkom Mitte der 90-er Jahre noch 200.000 Arbeitsplätze in der Kommunikationstechnik, so zählt der Verband heute nur noch 20.000 Arbeitsplätze.
Den Wegfall an Arbeitsplätzen führt der Präsident des Bitkom-Verbands auf die Digitalisierung zurück und sieht darin aktuell Handlungsbedarf für die Politik. Doch die ist derzeit dabei sich um andere Dinge zu kümmern. Dennoch wird sie die Zukunft nicht verschlafen. Andere Studien belegen, dass es zu keinem nachhaltigen Wegfall an Arbeitsplätzen gekommen ist, aber durchaus zu einem Wandel. Die Dienstleistungsbranche boomt und die Nachfrage an Spezialisten hält an. Doch dies ist nur der Blick auf den Moment und nicht die Antwort auf morgen. So sieht der Vertreter der Bitkom schon jetzt eine Gefahr im Westen heraufziehen. Frankreich sei auf dem besten Weg, Deutschland mit Blick auf die Digitalisierung zu überflügeln.
Selbst wenn deren Präsident Macron davon spricht das Land zu einer „Start-up-Nation“ umzubauen, heißt das nicht, dass ihm das gelingt. Frankreich ist in Puncto Flexibilisierung des Arbeitsmarktes eher schwerfällig. Agiles Unternehmertum, wie es derzeit in Deutschland boomt ist auch nicht die Antwort auf alle Zukunftsfragen. Geht der Blick nach Amerika, so zeigt sich, dass dort der Arbeitsmarkt zwar derzeit rund läuft und erstaunlicherweise nicht nur Jobs im Billiglohnsektor entstehen. Den Trend dort, hin zu flexiblen Arbeitsmodellen, sehen aber viele als Ausbau der prekären Beschäftigung. Schaut man auf die Börsenkapitalisierung der „New Economy“ wird einem schwindlig. Human Capital ist aber nicht die Antwort auf die Wertsteigerung der dortigen Unternehmen. So gebe ich dem Bitkom-Präsidenten sogar recht, wenn er den Finger in die Wunde legt und ein stärkeres Mitgestalten der deutschen Politik bei der digitalen Transformation fordert.


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